The Raven: Der Verzerrer

Rebecca Pidgeons erstes Solo-Album besticht durch klanglichen Perfektionismus. Die Erstklassige Aufnahmequalität übertrifft noch heute die der handelsüblichen DVDs.

Bedauerlicherweise befindet sich beim Zählerstand 01:44:054 min. (ca. Sektor 7940) des ersten Liedes „Kalerka“ leider ein fieser Verzerrer. Er tritt nur beim zweiten Gesang von „Leave your slavery“ auf, mindert meines Erachtens aber erheblich den Genuß dieses Liedes.

– Klangbeispiele gibt’s am Ende der Seite –

Ich ging zunächst noch davon aus, dass dieser Verzerrer durch meine eher durchschnittliche Musik-Anlage hervorgerufen wird und auf besseren Anlagen nicht zu hören sei.
Ich testete die CD deswegen auf einer höherwertigen Anlage bei einem Bekannten; doch auch dort hörte man den Verzerrer, jetzt gar noch deutlicher.
Also nahm ich die CD mit zu einem High-End Händler in der Nähe (nein, kein Media-Markt, o.ä., sondern etwas anständiges!) und konnte dort ebenfalls den Verzerrer vernehmen.

Ich gab mich der illusionären Vorstellung hin, ich habe beim Kauf vielleicht eine ‚Fehlpressung‘ erworben und ging in meinen Plattenladen um mir eine andere „The Raven“-CD anzuhören, leider aber auch mit Verzerrer.
Da nun fest stand, dass wohl jede CD von „The Raven“ an besagter Stelle einen Verzerrer aufwies, schrieb ich an Chesky Records um anzufragen, ob es einen neue Auflage der CD geben wird, die an dieser Stelle besser abgemischt sein würde.
Leider erhielt ich darauf keine Antwort, fand über Händler jedoch heraus, dass es von diesem Album auch eine Schallplatte und eine neu abgemischte Gold-CD gibt.

Die Gold-CD

rebecca-pidgeon-the-raven-gold-cd-820x547 The Raven: Der Verzerrer

Die 24 Karat Gold-CD wurde komplett neu von den original Master-Bändern von ‚Nimbus‘ abgemischt und ich hielt es für determiniert, dass der Verzerrer nun eliminiert wurde.
Kaum hielt ich die Gold-CD in Händen, fand sie sich auch schon in meinem CD-Spieler an der Position 01:44:052 min. wieder, wo ich dem Verzerrer immer noch lauschen konnte. Nun zwar etwas unaufdringlicher, aber dennoch präsent.
Etwas Enttäuscht schrieb ich wieder an Chesky Records, um meinen Unmut kund zu tun; wieder ohne Antwort…

Da der Verzerrer selbst auf der Gold-CD deutlich hörbar war, musste er schon auf den Master-Bändern gewesen sein, welche über den „128x oversampling A to D Mark III converter with ultra-analog modules and vacuum tube equipment“ aufgezeichnet wurden.
Dieser Konverter wandelt die analogen Signale der Instrumente und Mikrophone in digitale Signale um, nur so ließ sich auch eine DDD-CD produzieren.
Da es von diesem Album aber auch eine (analoge) Schallplatte gab, konnten nicht die gleichen Master-Bänder verwendet werden.
Schallplatten sind analog, Aufnahmen für Schallplatten werden meist auch mit analogem Equipment gemacht und analog abgemischt; das gibt der Platte auch einen lebendigeren Klang. Gerade bei Chesky konnte ich mir dessen eigentlich sicher sein.
Was das heißt? Das würde heißten, dass es zwei Master-Bänder der „The Raven“-Aufnahme gibt; einmal digitale für die CD/Gold-CD und einmal analoge für die Schallplatte. Da die Bänder nicht über die selben Geräte liefen (die Digitalen über den Konverter, die Analogen nicht), besteht auch die Möglichkeit, dass sie anders ausgesteuert wurden und das könnte bedeuten, dass der Verzerrer auf der Schallplatte nicht existriert!

Bis ich diesen Gedankengang allerdings realisiert hatte, war die Schallplatte schon nicht mehr verfügbar, also versuchte ich mich damit abzufinden und genoss dafür den exzellenten Klang der übrigen Lieder oder lauschte Rebecca Pidgeons neuer CD „Four Marys“.
Jedoch ging mir die Schallplatte von „The Raven“ einfach nicht aus dem Kopf, und ich versuchte sie über alle möglichen Händler zu bekommen bis ich sie, nach 4 Jahren Suche, Anfang 2003 auf einer Internet-Börse entdeckte und sie ersteigerte.

Die Schallplatte

rebecca-pidgeon-the-raven-lp-820x547 The Raven: Der Verzerrer

Als ich die Schallplatte in ausgezeichnetem Zustand in Händen hielt, dauerte es nicht lang bis sie auf meinem Plattenspieler abgespielt wurde. Der Klang dieser 180 gr.-Pressung begeisterte mich von Anfang an; viel schöner als die CD/Gold-CD.
Doch würde auch die Schallplatte den Verzerrer beherbergen? Als die ‚Nadel‘ an besagter Stelle ankam, hörte man ein einwandfreies „Leave your slavery“, ganz ohne Verzerren oder Knastern oder Knistern. Zunächst ungläubig fuhr ich die ‚Nadel‘ ein Stück zurück um mir die Stelle genauer anzuhören….doch nichts!
Ich habe die Schallplatte bis jetzt noch nicht auf höherwertigen Anlagen testen können, deswegen kann ich nicht 100%ig ausschließen, dass der Verzerrer wirklich restlos weg ist (bzw. nie da war), aber im Vergleich mit der CD/Gold-CD ist die Schallplatte, zumindest auf meiner Anlage, eine Sensation!

So nimmt die lange Tortur des Verzerrers für mich jetzt ein Ende; ich höre nur noch die Schallplatte.
Es gibt inzwischen von „The Raven“ auch eine SACD, die ich bis jetzt, mangels SACD-Spieler, allerdings noch nicht testen konnte, und worin ich auch keinen großen Sinn sehe. Ich bezweifle, dass die SACD komplett neu eingespielt wurde oder gar die analogen Master-Bänder bemüht wurden, so wird der Verzerrer, meiner Vermutung nach, höchstens in ‚besserer Qualität‘ zu hören sein.

Klangbeispiele des Verzerrers

Die Klangbeispiele liegen im MP3-Format vor (320 KB/s, 44.100 Hz., Stereo) und haben eine Dateigröße von 624 KB.