Tough On Crime (2006)

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„Tough On Crime“ ist Rebecca Pidgeons viertes Soloalbum, wenn man ihre BestOf-CD „Retrospective“ auslässt. Dies ist das erste Album, welches nicht mehr von David Chesky produziert wurde und somit auch nicht mehr im Label Chesky, sondern bei dem Label „The Lab“ erschienen ist.

Tracklisting

  1. Learn To Pray (3:39 min.)
  2. Tangerine (4:37 min.)
  3. Tough On Crime (3:24 min.)
  4. Ordinary Blues (4:24 min.)
  5. Candid Lady (4:32 min.)
  6. Nasty Guy (4:25 min.)
  7. Magazine (4:26 min.)
  8. Cigarette (3:11 min.)
  9. The Romance Of Everyday Life (3:34 min.)
  10. Come Back To Sorrento (3:41 min.)
  11. Army Brat

Rezension

Bedauerlicherweise muss ich sagen, dass Chesky mir hier nicht fehlt. Man hört schon, dass die Abmischung deutlich unkonventioneller und aggressiver ausfällt und nicht so ausgeglichen wie bei Chesky ist, aber es passt bei diesem Album sehr gut in die Stimmung.

„Learn To Pray“ ist der erste Titel des Albums und die einzelnen Instrumente sind deutlich herauszuhören, wobei Rebeccas Stimme noch klarer im Vordergrund steht. Insgesamt scheint das ganze Album deutlich mit einem Fokus auf Stereo aufgenommen worden zu sein.

Ruhig und im Vintagesound kommt „Tangerine“ daher und für diesen Song finde ich die Abmischung zu auffällig. Der sanften Melodie hätte eine einheitlichere Abmischung besser gestanden, obgleich der Song womöglich erst durch diese Abmischung so spannend, smooth und flüssig daherkommt. Ein Song zum Autofahren auf sommerlichen Landstraßen, die von einem goldenen Saxophon gestriffen werden. Der Song ist inspiriert von einer nicht sehr bekannten bekannten viktorianischen Novelle von Mary Elizabeth Braddon, damals eine Bestsellerautorin im Stil von Wilkie Collins.

Daran schließt auch wunderbar der sexy Song „Tough On Crime“ an. Treibend ist der Bass und die verschiedenen Wortmeldungen diverser Instrumente (Klavier, Saxophon, Orgel, E-Gitarre) treiben einen durch die gut drei Minuten.

„Ordinary Blues“ spielt sich direkt in die Seele eines Samstagabends auf dem Kiez. Umtriebig, unberechenbar, glänzend und generös geht dieser Song mit Instrumenten und Überraschungsmomenten um und ist viel zu schnell verbraucht – eben wie ein Samstagabend.

Der fünfte Song des Albums erinnerte an die alte Rebecca Pidgeon aus „The New York Girls‘ Club“ mit ihrer fliegend leichten Stimme in den hohen Oktaven. Gar nicht zu verwechseln: das ist Rebecca Pidgeon!

Mit einem lauten Knall holt „Nasty Guy“ einen schnell zurück auf die neuen Pfade von Rebecca Pidgeon. Der Hörer ist Spielball zwischen der provozierenden Gesangsstimme Rebeccas und den umherschwirrenden Instrumenten und Backgroundvocals. Gar nicht schlech! Ungewohnt, ohne Zweifel, und mitnichten konventionell; aber hier geht die Rechnung der aggressiveren Abmischung der Aufnahme ganz klar auf! Hier passt einfach alles, auch wenn der Song vielleicht nicht jedem gefallen wird.

„Magazine“ erhebt sich sphärisch aus der Ruhe zwischen den Titeln und kommt meiner Meinung nach etwas lahm daher. Nicht ruhig, sondern lahm. Ganz nett aber irgendwie ziellos und unwichtig.

Viel besser gefällt mir da schon der achte Song „Cigarette“. Er verströmt Feierabendstimmung, die Zeit in der man erschöpft nach Hause kommt, die Post aus dem Briefkasten nimmt und sich mit einem erfrischenden Getränk (oder eben einer Zigarette) auf das Sofa fallen lässt und einfach nur froh ist, endlich alleine zu sein und seine Ruhe genießen zu können.

„I was walking down the street one day. Early in the morning…“ führt uns „The Romance Of Everyday Life“ in die kleinen schönen Dinge des alltäglichen Lebens ein. Rebecca Pidgeon betont die kleinen Alltagsromanzen, die in der Warteschlange oder beim Busfahren passieren.

„Come Back To Sorrento“ weckt den Hörer auf, nimmt ihn an die Hand und entführt ihn an einen entfernten Ort, der ihm völlig fremd ist. Ohne Angst geht man zusammen mit Rebecca durch die Fremde und ist im Urlaub.

Der Bonustitel der CD „Army Brat“ erklingt wie ein Kinderlied. Ich kenne mich mit den englischsprachigen Kinderlieden nicht aus, aber es könnte sehr gut eines sein. Ein Song zum Mitsingen, schunkeln und träumen. Eine kleine Probe vom Song hat Rebecca Pidgeon uns in ihrem Garten gegeben:

Übersetzung des Interviews

Auf ihrer offiziellen Webseite gibt es ein englischsprachiges Videointerview mit Rebecca Pidgeon, welches ich folgend ins Deutsche übersetzt habe:

Ich kam durch Zufall zur Musik

Ich kam durch Zufall zur Musik, ehrlich. Es war auf der Drama-Academy (Royal Academy of Dramatic Arts) wo mein Bekannter (Roger Fife) sagte: „komm und sing meine Songs!“ und „komm! Werde Sängerin“. Wir wurden dann zur Band „Ruby Blue„. Wir fingen an aufzutreten und das war der Punkt an dem ich zufällig lernte, Gitarre zu spielen. Ich verließ die Band und begann mein eigenes Singer- und Songwriter-Abenteuer zu erkunden.
Es war ein Zufall und es war eine wundervolle, wirklich wundervolle Sache für mich; diese Reise mich selbst durch meine Songs ausdrücken zu können.

Musik war immer meine Leidenschaft

Musik war immer meine Leidenschaft weil sie mir etwas gab, dass mich glücklich machte. Über all die Jahre hinweg, in denen ich mich der Schauspielerei widmete und in all den Filmen mitspielte, war ich immer auch Singer und Songwriter und ich habe das immer getan. Es ist etwas, dass tief mit meiner Seele verbunden ist; das Teil meines Lebens ist.

Mein neues Album

Mein neues Album „Tough on crime“ ist das erste nach sechs Jahren. In dieser Zeit habe ich mich der Schauspielerei gewidmet, meine Kinder groß gezogen und Songs geschrieben.

Da ist dieser Typ, Larry Klein, den ich vor über zehn Jahren traf und dessen Arbeit ich bewundere, der sogar mit Joni Mitchell zusammen arbeitete! Ich wollte unbedingt etwas mit ihm machen – welch ein brillianter Musiker und welch unverwechselbarer Sound!

Daraus wurde dann eine wundervolle, einfach wundervolle Zusammenarbeit!

Tough on crime

Ich denke, der Sound von „Tough on crime“ ist einzigartig. Ich habe so einen Sound bei keinem anderen Album gehört. Wissen Sie, manchmal kommt ein Song einfach so zu Dir, Du musst gar nicht groß darüber nachdenken; auf einmal ist er einfach da und Du fragst Dich: „wo kam das denn her?“.

Ich liebe es diese Figuren zu erschaffen, wenn ich Songs schreibe. Du kannst zu Plätzen reisen, bei denen Du noch nie warst.

Wenn sich meine Fans „Tough on crime“ anhören, hoffe ich, dass sie dabei Vergnügen haben und eine Art Erfüllung spüren und ich hoffe, dass das Album bei ihnen wachsen wird und sie all die tiefen Nuancen darin finden.
Jeder Song ist etwas Besonderes, ja.

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